Die Logik und Erkenntnistheorie des ontologischen Gottesbeweises und seiner Kritik: Descartes, Gödel, Plantinga, Kant
Instructor: Dr. Reto Gubelmann
Term: Spring 2026
Language: German
University: UZH
Course Overview
Der ontologische Gottesbeweis steht für eine dynamische Tradition des Denkens in der westlichen Philosophie, das Denkerinnen und Denker bis zur Gegenwart inspiriert und zur Kritik anregt. Es ist deshalb gar nicht so einfach, eine kurze Charakterisierung der Argumentationsweise zu geben, welche diese Tradition zusammenhält. Immanuel Kant, gleichzeitig der wichtigste Systematiker und der wichtigste Kritiker dieser Argumentationsform und ein zentraler Referenzpunkt für das Seminar, hält fest, dass der ontologische Gottesbeweis ``gänzlich a priori aus blossen Begriffen auf das Dasein einer höchsten Ursache’’ schliessen will (KrV, B 618-19). Im Gegensatz zu anderen so genannten Gottesbeweisen verfährt der ontologische Gottesbeweis also gänzlich ohne Rückgriff auf empirische Evidenz, Daten, oder Beobachtungen. Im Seminar werden wir diese negative Charakterisierung schrittweise mit einer positiven ergänzen. Dazu analysieren und diskutieren wir ausgewählte Instanzen dieser Argumentationsform aus einer erkenntnistheoretischen und logischen Perspektive, und wir setzen uns intensiv mit Kants Kritik am ontologischen Gottesbeweis fest. Tatsächlich bietet Kants Kritik an dieser Argumentationsform einen sehr erhellenden Einstieg in seine kritische Philosophie selbst: Das ontologische Argument steht für alles, was Kant an der traditionellen rationalistischen Metaphysik für grundlegend verkehrt hält und damit als Antithese zu seiner kritischen Philosophie. Wir lassen dabei die ursprüngliche Version des Gottesbeweises von Anselm von Canterbury beiseite – nicht zuletzt deshalb, weil sich bei ihm nicht ohne weiteres überhaupt von einem Argument im modernen Sinne, geschweige denn von einer bewusst erkenntnistheoretischen Vorgehensweise sprechen liesse. Wir konzentrieren uns vielmehr auf die sehr breit diskutierte Version, bzw. die Versionen, von René Descartes, des Mathematikers Kurt Gödel, und des amerikanischen Religionsphilosophen des 20. Jahrhunderts Alvin Plantinga. Diese Texte werden mit passender Sekundärliteratur erschlossen und kritisch diskutiert, und die Systematik und Kritik Kants wird von zentraler Bedeutung sein.
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